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Warum ich im Training auf Maschinen verzichte (und es extrem wichtig ist Trainingsgeräte zu hinterfragen)

Kettlebell 36kg kleinFür jede Aufgabe gibt es das passende Werkzeug.

Je nach Aufgabe in meinem Training verwende ich Langhantel, Kettlebell oder das eigene Körpergewicht.

Mehr als genug Werkzeuge für alle Ziele die ich in meinem Training anstrebe.

Meine Ziele?

Verbesserung und Erhalt der fundamentalen Beweglichkeit (wie wir sie als Kinder hatten), optimale Stabilität (um Gelenke während einer Bewegung oder unter Last zu stabilisieren), Symmetrie und Ausgleich von Alltagsbelastungen,  Kraft (du kannst nie stark genug sein).  Vor allen bei der Kraft setze ich mir SMARTe Ziele.

  • Für effektive Verbesserung der Beweglichkeit und Stabilität setze ich auf das eigene Körpergewicht und Kettlebell.
  • Für Symmetrie im Training setze ich auf die Kettlebell.
  • Für Kraft setze ich auf Langhantel und Kettlebell.
  • Für die Ausdauer auf das eigene Körpergewicht und Kettlebell.

Das eigene Körpergewicht, Kettlebells und eine Langhantel sind alles was ich für ein ausbalanciertes und effektives Training benötige.

Alleine mit dem eigenen Körpergewicht würde ich diese Ziele erreichen. Der Einsatz der freien Gewichte ermöglicht es mir jedoch meine Ziele in viel kürzerer Zeit zu realisieren.

Warum haben Trainingsmaschinen keinen Platz mehr in meinem Training?

Ich habe 10 Jahre lang an Maschinen trainiert. Ausschließlich für die Verbesserung meiner Körperform (in meinen Augen Muskelaufbau und Fettabbau). Das war lange Zeit mein einziges Ziel im Training.

Keines der oben genannten Ziele war zu dieser Zeit wichtig für mich. Ich wollte weder beweglicher, noch stabiler oder kräftiger werden. Ich wollte einfach nur besser aussehen, wenn ich in den Spiegel schaue.

Habe ich dieses Ziel durch das jahrelange Training an den Maschinen erreicht?

Nicht einmal im Ansatz!

Trainingsmaschinen sind, wie das eigene Körpergewicht, Kettlebells und Langhanteln auch, ein Werkzeug. Jedoch hatte ich die Aufgabe dieses Werkzeuges nie hinterfragt.

Ich habe einfach nur nachgemacht was alle um mich herum getan haben.

Welchen Zweck erfüllen Trainingsmaschinen?

Du kommst dahinter und erkennst den Zweick, wenn du dir genau anschaust was eine Trainingsmaschine macht. Die vorgegebene Bewegung und das Stabilisieren des Gewichtes ermöglicht es Muskeln gezielt isoliert zu trainieren.

Eine Trainingsmaschine ist also perfekt dazu geeignet einen bestimmten Bereich (Gelenk oder Muskel) gezielt  zu reizen, um einen Kräftigungs- oder Wachstumsreiz auszulösen.

Solltest du eine Verletzung gehabt haben und dich in einer Rehamaßnahme wieder finden, stehen die Chancen sehr hoch, dass du in einen Gerätezirkel eingewiesen wirst. Hauptsächlich an die Geräte die den verletzen Bereich wieder kräftigen sollen.

Aufgabe: Verletzten Muskel(n) isoliert wieder aufbauen. Werkzeug: Trainingsmaschine

(Nur am Rand ohne weiter darauf einzugehen. Diese Aufgabe lässt sich auch ohne Trainingsmaschinen lösen, und dies meist besser).

Wer hat sich die Eigenschaften der Maschinen zu Nutze gemacht?

Die Eigenschaft Muskeln isoliert zu trainieren, haben sich in den goldenen Jahren des Bodybuilding deren Athleten zu Nutze gemacht.

Viele Maschinen wurden eigens dafür umgebaut und mit mehr Gewichten ausgestattet. Während es im Rehabereich in der Regel nur wenig Gewicht und eine niedrige Intensität braucht, durfte es im Bodybuilding schon etwas mehr sein.

Was ist daraus geworden?

Bodybuilding wurde kopiert und das Training an Maschinen als das Non-Plus-Ultra beworben, wenn du einen muskulösen und ausdefinierten Körper haben wolltest.

Der Fehler: Erfolgreiche Bodybuilder kamen fast alle aus dem Kraftdreikampf oder dem olypischen Gewichtheben und hatten sich bevor sie überhaupt mit dem Maschinentraining begannen schon ein solides Fundament an Kraft und Masse aufgebaut.

Das Maschinentraining war also der Feinschliff. Und selbst neben dem Training an Maschinen wurden fleißig weiter schwere Gewichte gehoben, gezogen oder gedrückt.

Die meisten Menschen die mit dem Training im Fitnessstudio beginnen, wollen jedoch keine Bodybuilder sein. Sie wollen beweglicher, stabiler und kräftiger für den Alltag werden. Dabei wäre es viel sinnvoller sich für diese Ziele, wie ein Bodybuilder mit freien Bewegungen und schweren Gewichten in der Anfangszeit vorzubereiten.

Stattdessen sind die Studios voll von Leuten die ein Training ausüben, was für Rehapatienten entwickelt wurde. Alle Gelenke und die darum liegenden Muskeln werden isoliert trainiert und es wird bewusst darauf verzichtet freie Gewichte auch nur anzufassen, um nicht zum Bodybuilder zu mutieren (als wenn es so einfach wäre).

Es wird mit wenig Intensität Feinschliff betrieben wo nichts zum schleifen ist.

Das Ergebnis: Es wird weder Beweglichkeit verbessert noch Stabilität. Das Einzige was passiert ist, dass ein vorgebener Bewegungablauf einprogrammiert und darauf so lange Kraft gepackt wird bis ein Plateau erreicht ist.

Dein Körper wird kein bisschen auf die fundamentalen Bewegungen im Alltag vorbereitet. Die vorhandene Beweglichkeit (Ist-Zustand) wird durch das Training zementiert. Du kannst mit einer extrem schlechten Beweglichkeit an den Maschinen trainieren und dich sogar bei den Gewichten steigern. Die Folge ist, dass es schwer wird eine fundamentale Beweglichkeit zu erlangen oder nur unter extrem viel Aufwand wieder herzustellen ist.

Dazu kommt, dass die intra- und intermuskuläre Koordination die eines Frankensteines gleicht. Jeder Bereich wird isoliert angesteuert. An ein Zusammenspiel des gesamten Körpers wie es im Alltag normal ist (oder sein sollte), ist nicht mehr zu denken.

Die Erfahrung: Ich gebe regelmäßig Einsteiger Seminare in das RKC Kettlebell Training. Teilnehmer der Seminare die es davor gewohnt waren ausschließlich an Geräten oder Maschinen zu trainieren, sind kaum in der Lage die freien Bewegungen auszuführen oder tun sich extrem schwer diese zu erlernen. Selbst die Vorübungen ohne Gewicht sind oft zu viel. Es scheitert an den Bewegungsumfängen und den eigenen Körper stabilisieren zu können.

Selbst mit extremer Betreuung ist es kaum möglich die Bewegungen in den vorgegebenen Zeitraum sicher einzustudieren.

Und ich weiß, wie blöd sich das anfühlt. Vor ein paar Jahren war ich selbst in dieser Situation.

Blutige Trainingsbeginner die noch nie ein Gewicht in der Hand hatten, brauchen für die freien Bewegungen meist drei Stunden, um sie sicher ausführen zu können. Sportler die davor monate- oder jahrelang an Maschinen trainiert haben, benötigen meist Wochen bis Monate, um die eingeschliffenen Bewegungsmuster zu löschen und um auf das gleiche Trainingsniveau zu kommen.

Solltest du an Trainingsmaschinen trainieren, wenn dein einziges Ziel die Verbesserung deiner Optik ist?

Stell dir die Frage ob sie das richtige Werkzeug für deine Ziel sind.

Auf den ersten Blick mag es so aussehen, dass Maschinen und chipkartengesteuerte Gerätezirkel das Training vereinfachen. Doch lass dich davon nicht täuschen und hinterfrage den Nutzen. Was nützt es dir am Ende, wenn du keines deiner Trainingsziele erreichtst und das Training dein Leben nicht verbessert. Es im Gegenteil sogar verschlechtert.

Es ist ein bisschen so als ob du mit einem Geländewagen auf einer betonierten Rennstrecke unterwegs bist. Es ist zwar bequem aber du wirst nie als erster durchs Ziel fahren. Wenn du überhaupt ankommst, weil du vorher deine Reifen auf dem harten Untergrund abgefahren hast.

Jedes Trainingsgerät hat seine Berechtigung. Es kommt halt auf den Einsatz an und ob es dir den größtmöglichen Nutzen bringt oder dir bei genauerer Betrachtung sogar schadet.

Für mich sind Trainingsmaschinen aus drei Gründen keine Option mehr:

#1: Keinerlei nennenswerter Kraftübertrag in den Alltag.
#2: Keine Verbesserung der Beweglichkeit und Stabilität (zwei Hauptziele meines Trainings).
#3: Die Erfahrungen der letzten Jahre aus meiner Trainertätigkeit und meines persönlichen Trainings.

Fazit: Wenn du dich gerade nach einer OP in einer Rehamaßnahme befindest oder Profibodybuilder kurz vor dem Wettkampf bist, gibt es vielleicht einen Nutzen den dir Maschinen im Training bringen. Solltest du jedoch trainieren, um die einseitigen Belastungen im Alltag auszugleichen und um deine allgemeine Leistungsfähigkeit zu erhöhen, würde ich den Einsatz ganz genau hinterfragen.

Und! Viel wichtiger als das Trainingsgerät, ist das Trainingssystem dahinter. Mit dem richtigen System ist es möglich fast jedes Trainingsziel zu erreichen, unabhängig mit welchen Werkzeug du arbeitest. Es ist nur die Frage ob es auch das Effektivste ist. Auch mit einer stabilen Zange bekommst du irgendwie einen Nagel in die Wand.

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Comments on this entry are closed.

  • Sascha November 13, 2014, 7:09 pm

    Hallo Sebastian,

    da bin ich voll auf Deiner Linie! Und wie auch Du habe ich über einige Jahre hinweg an Maschinen trainiert. Nur nicht für die Optik, ich wollte einen starken Rücken, den dieser kennt keinen Schmerz, so der Slogan meiner damaligen Trainingseinrichtung. Ich denke dieser Anbieter dürfte bekannt sein 😉

    Du triffst genau den Punkt, wo die Maschine ihre Schwachstelle hat, und wo ich letztendlich auch irgendwann gemerkt habe, dass diese Art des Training mich nicht näher an ein ganzheitliches Zusammenspiel meines Körpers bringt. Eher das Gegenteil. Das Sitzen im Alltag und das Sitzen an und in den Maschinen, zementiert unseren Körper und dessen ZNV ja nur noch mehr in diese eingeschränkte Bewegungsbahn. Ich habe nie eine bessere Möglichkeit erlebt unseren Körper auf natürliche Art und Weise zu bewegen und zu trainieren als durch die fundamentalen Bewegungsmuster von uns Menschen. Diese sind ja noch veranker in unserer DNA und als Kinder bzw. Kleinkinder haben wir dieses natürliche Programm ja schon einmal durchlaufen. Warum denn dann als Erwachsener dieses Programm nicht wiederbeleben? Und als Kinder haben wir bestimmt keine Maschinen benutzt…

    Danke für diesen weiteren Artikel hier auf VDT
    Besten Gruß
    Sascha

    • Sebastian Müller November 14, 2014, 10:43 am

      Hallo Sascha,

      vielen Dank für Dein Feedback!

      Ich kenne ja deine Trainingsgeschichte ein wenig und bin immer wieder begeistert was du alles erreicht hast und weiterhin erreichst. Und ich mag deine Art sehr wie du deine Erfahrungen mit anderen teilst.

      Ich hoffe viele tun es dir gleich und lesen fleißg auf deinem Blog
      mit. Du hast einfach so viel zu sagen, weil du den Weg in eine gesunde
      und eigenverantwortliche Zukunft schon gegangen bist und erfolgreich
      gehst.

      Und ja, ich  weiß genau welchen Anbieter du meinst.
      Die Erfahrungen mit den Teilnehmern die ich im Artikel anspreche,
      waren auch bei diesen Anbieter.

      Danke noch einmal. Immer schön von dir zu lesen. 

  • Fuchs December 3, 2014, 4:06 pm

    Hallo Sebastian,

    in unserer Praxis trainieren Leute, z.B. post OP an Geräten, das ist gut für ihre Reha und relativ sicher. Sie trainieren Bodenübungen, sobald sie so weit sind -und ich missioniere da wie blöd um sie von dem reinen Maschinentraining weg zu bekommen. Und mit einigen Patienten gehe ich an die Kettlebells.

    Swings und GetUp wie ich es bei Dir damals gelernt habe. Das reicht schon für fast alle. Die Fortschritte sind enorm!
    Vom Banker mit behobenen Rückenproblemen über den Schlaganfallpatienten der jetzt besser laufen kann. Vom LKW-Fahrer der das Ding im Führerhaus hat, damit er sich fit halten kann oder dem Schulterpatienten im Stahlbau der seine Arme wieder stabilisiert (ok, da waren auch noch WaitersWalk, Swings über Kopf, Windmühlen und sowas dabei). Bis hin zum Büromenschen der seinen Rumpfstabilität mit einem Minimalprogramm verbessern will. Und jedem ist geholfen.

    Die Ketti ist sowas wie ein SwissTool / Leatherman für Alltagsfitness. Many Jobs – One Tool!

    Ach ja, wie immer ein super Artikel von Dir! Danke dafür. Mach weiter so.

    • Sebastian Müller December 3, 2014, 6:41 pm

      Hey 🙂
      Freut mich, dass die Kettlebell so viele positive Effekte auf das Training deiner Klienten hat!
      Danke auch für das Feedback. Freut mich sehr.
      Ich mach weiter. 🙂

    • Joschi December 8, 2014, 6:44 pm

      Hiho, ich muß sagen ohne das Training mit der Kettelbell beim Fuchs würde ich wohl mein Job nicht mehr machen. Reha nach Op hat nämlich mal 0, 0 gebracht. Ich versuche Täglich ca.15-20 min vor der Arbeit damit zu trainieren den ohne würde ich es wohl nicht schaffen. Danke Fuchs und Danke auch an Sebastian Deine Tipps im inet FB usw sind richtig gut 🙂

      • Sebastian Müller December 8, 2014, 9:47 pm

        Hallo Joschi,

        leider habe ich das mit erfolgloser Reha jetzt schon öfter gehört.
        Freut mich auf jeden fall, dass du den Weg zum Kettlebell Training gefunden hast und es dir gut tut.

        Danke auch für das Feedback zu den Tipps. Immer schön zu hören, dass die ganze Schreiberei wirklich weiter hilft und etwas bringt.

        Viele Grüße, Sebastian

  • Frank December 7, 2014, 10:58 am

    Hallo Sebastian,
    sehr schöner Artikel, kann Dir nur Recht geben. Ich bin vor ca. 1 Jahr extra von Chemnitz nach Weimar zu Euch ins Studio gekommen um den KB-Anfängerkurs zu belegen. Habe es bis jetzt nicht bereut, trainiere aktuell mit einer 16er und 24er. Das Training ist effektiv uns zeitsparend, vor allem an der frischen Luft, brauche nur hinters Haus zu gehen oder auf einen nahe gelegenen Spielplatz. Auch ich habe vorher viel im Studio trainiert und war “zementiert” hatte mehrfach Hexenschüsse. Der Therapeut meinte, meine Muskulatur sei gut, aber keine Dehnfähigkeit. seit dem besuche ich im Fitness-Studio den Yoga -Kurs, mache noch etwas Tae Bo (Cardio) und benutze im Studio nur noch das Rack fürs Klimmziehen und den Kabelzug. Ansonsten zu Hause Kettlebelltraining und mit dem eigenen Körpergewicht. Das bringt sehr viel, die Beschwerden treten nicht mehr auf.
    Viele Grüße aus Chemnitz
    Frank

    • Sebastian Müller December 7, 2014, 11:43 am

      Hallo Frank,

      freut mich zu hören, dass sich der Besuch bei uns gelohnt hat.
      Super, dass du keine Beschwerden mehr hast und dir das Training mit der Kettlebell und dem eigenen Körpergewicht weiter hilft.

      Danke auch für dein Feedback und beste Grüße nach Chemnitz,
      Sebastian